Gerne denke ich an jene Zeit zurück, als ich, ein Kind noch, mich
an kleinen und unbedeutenden Dingen und Erlebnissen erfreuen konnte wie
an unseren ungeduldig erwarteten Sonntagsausflügen.
Sobald am Sonntagmorgen die Sonnenstrahlen auf den bewaldeten Triglovetzhang
fielen, erschienen die Kinder des Viertels vom Trägerdepot bis zur
Budinic bei uns zu Hause, von ihren Müttern mit Tagesproviant wohlversorgt,
um unter der Aufsicht meiner Mutter einen Ausflug zu machen. Ob Gerti und
Gerlinde, Gertrud und Fredi oder Bruno und Arthur, sie alle waren neugierig,
wohin es diesmal gehen sollte.
Eines unserer beliebten Ausflugsziele war der Capu Basch, die höchste
Erhebung des dritten Ponor. Unser Weg führte durch das alte Stadtviertel
Stavila, vorbei am Eingang zum Baschowitzer Graben, wo sich mit einem Jungen
aus der Hartmann-Sippe ein letzter Teilnehmer unserer kleinen Gruppe anschloß.
Und weiter ging's im Gänsemarsch auf der schattigen Landstraße
bersauaufwärts bis zum Minda. Dort bogen wir auf die alte StEG-Straße
ab, die nach Anina führt und die wir als U.D.R.-Weg kannten. Die Straße
steigt, den Windungen des Berghangs folgend, allmählich an. Zur Linken
fällt der bewaldete Hang steil ab ins Sodoler Tal mit seiner Höhle
und dem munter plätschernden Bächlein gleichen Namens. Buchen
und Eichen spenden dem Wanderer Schatten, am Wegrand wuchern Haselnuß-
und Hollerbüsche. Die Straße wurde damals kaum mehr befahren,
und so durchdrangen nur Vogelgezwitscher und unsere fröhlichen Stimmen
die Stille des Sommermorgens. Und doch konnte man in dieser Abgeschiedenheit
wahre Abenteuer erleben! Zum Beispiel die Begegnung mit einer Schlange.
Reglos lag sie zusammengekringelt auf einem Baumstumpf in der Sonne. Ihre
Augen blickten starr, als wollte sie uns hypnotisieren. Die Neugierde hielt
uns wie gebannt fest, die Angst hielt uns auf Abstand. Nur Gerti, der Mutige,
suchte nach einem passenden Ast, knickte ihn zurecht, so daß er mit
der Gabelung am Astende die Schlange festhalten konnte, um ihr mit einem
Stein den Gnadenstoß zu versetzen und sie so ungefährlich zu
machen. Stolz auf seine Geschicklichkeit und seinen Mut, zeigte er uns
das V auf dem Kopf der Schlange und erklärte uns, daß man daran
eine Hornviper erkenne, deren Gift äußerst gefährlich sei.
Die Viper, vornehmlich in Gegenden mit Kalkgestein zu finden, kommt in
der Prolas besonders häufig vor.
Wir setzten unseren Weg fort, atmeten die würzige Waldluft ein
und den Duft der Holunderblüten, bewunderten die kleinen Waldblumen.
Unseren Durst löschten wir an einer Quelle, einem Bründl am Wegrand,
ehe wir die Anhöhe erreichten, die man Capu Basch nennt.
Die
Hirten boten uns gegen ein geringes Entgelt auf zwei Holztellern riesige
Portionen dampfender Mamaliga an. Wir konnten der Versuchung nicht widerstehen.
Mit frischem Rahm und Topfen und mit auf offenem Feuer gegrillten Wurst-
und Speckscheiben war dies ein köstliches Mal.