Ortsname


Rumänisch: Oraviţa

Deutsch: Orawitz, Montan Orawitz

Ungarisch: Oraviczabanya



Basisdaten


Koordinaten: 45° 02' 18'' N, 21° 42' 10'' O

PLZ: 325600

Telefonvorwahl: (+40) 255

Gemeindeart: Gemeindesitz für 6 Dörfer (Ciclova Montana, Marila,

Agadici, Bradisorul de Jos, Brosteni, Rachitova)



Lage


Orawitz liegt in einem engen Tal das sich in südwestlicher Richtung

auf einer Länge von 5 km zieht. Das Tal wird südlich von den Bergen

Dealul Mare und Vodarna, südöstlich von Colelia und Simeon, östlich von Lup, nordöstlich von der Großen und Kleinen Tilva, nördlich von Kossovitza und nordwestlich vom Prisacaberg begrenzt. Die Nebentäler und Berge sind gleichfalls bebaut und bilden besondere Stadtteile. Das Klima ist kontinental mit mediterranen Einfluss.



Bilder aus Orawitz











Bevölkerungsentwicklung


1802: 2357 Einwohner (davon 1644 Deutsche)

1930: 9585 Einwohner (davon 2150 Deutsche)

1971: 12229 Einwohner (davon 680 Deutsche)

1992: 14080 Einwohner (davon 368 Deutsche)



Lokale Organisationen


Rathaus – str. 1 Decembrie 1918 Nr.60



Kurze Ortschronik


Es ist bekannt, dass die Eisenlager und Edelmetallhalden des Ortes und der Umgebung schon von den Römern ausgebeutet und bearbeitet wurden. Im 16. Jahrhundert, also zur Zeit der Türkernherrschaft, brannten die Hörigen die für die Schmelzöfen notwendige Kohle. Nach der Niederlage der Türken bei Senta und durch den Karlowitzer Frieden (1699) fiel ein Teil des Banats, unter anderem auch Orawitz, an Österreich. Der Wiener Hof schickte schon früh Geologen und Fachleute nach Orawitz, welche das Gebirge geologisch untersuchten und den von den Türken verlassenen Bergbau neu in Betrieb setzten. Die Stadt Orawitz ist die älteste Kolonistensiedlung im Banater Bergland (siehe auch Schmidt, Bauer, Marcu, Fassbinder 2004). Die ersten Siedler kamen schon, bevor die Türken endgültig aus dem Banat vertrieben waren. Es waren Tiroler Bergknappen, die ab 1703 in Orawitz eintrafen. 1718 kommen weitere Einwanderer, vorwiegend aus der Pfalz und weitere Bergleute aus Tirol. Um 1738/39 fielen die Türken erneut ins Banat ein. Orawitz wurde ausgeraubt, viele Einwohner flohen ins nördliche Banat, andere wurden getötet oder verschleppt. Nach dem Frieden von Belgrad (1739) bekommen die Türken die Stadt Orschowa zurück, Orawitz bleibt aber österreichisch. Ab 1742 erfährt Orawitz eine rapide Entwicklung. Die Industrieanlagen werden repariert und neu in Funktion gesetzt. Außerdem wird Orawitz das Verwaltungszentrum des gesamten Berglandes. Dies lockte zahlreiche neue Ansiedler, Fachkräfte, Handwerker, Regierungsvertreter und Beamte aus vielen Regionen Europas an, sodass Orawitz bevölkerungsmäßig bis Ende des 19. Jahrhunderts stark zugenommen hat.

Der erste Schmelzofen wurde 1740 in Betrieb gesetzt. Andere drei folgten 1746. Schon sehr früh (1723) wurde in Orawitz das Oberbergamt eingerichtet und die Stadt wurde Zentrum der Kupferproduktion und Sitz der Berggerichtsbarkeit. Das Oberbergamt war auch für die Goldwäscherei an den Flüssen und Bächen zuständig. 1847 baute man von Orawitz zur Schiffsstation Basiasch an der Donau eine 62 km lange Eisenbahnlinie zur Beförderung der Bergbauprodukte auf der Donau nach Wien. Der Anschluss an das Europäische Eisenbahnnetz erfolgte 1858, als die Strecke bis Temeswar ausgebaut wurde. Als Folge der industriellen Entwicklung wird der Handel angetrieben und die Zahl der handwerklichen Betriebe nimmt zu. Die römisch-katholische Kirche wurde 1718-1721 erbaut und ist die älteste Kirche im Banater Bergland.

Nach dem Zerfall des Österreich-Ungarischen Kaiserreichs kam das Banat an Rumänien. 1926 wurde Orawitz Sitz für das neu gegründete Judet (Landkreis) Caras. Es bekam eine Präfektur, ein Tribunal, eine Finanzadministration und noch weitere Ämter. Das gesellschaftliche Leben nahm einen regen Aufschwung, doch die Wirtschaft wurde immer mehr brach gelegt.



Kultur


Schon sehr früh, 1729, entstand in Orawitz eine erste Berufsschule und später, 1738, die erste Volksschule. 1864 wurde in Orawitz die 126. Filiale der Münchner „Notre-Dame“ Ordens errichtet, deren Schulschwestern hier eine Mädchen-Volksschule und Bürgerschule gründeten.

1816 beschlossen die Intellektuellen der Stadt ein Theater zu bauen. Der Bauplan wurde von dem Orawitzaer Architekten Joan Niuny nach dem Modell des Burgtheaters in Wien erstellt. Am 1. Juli 1817 wurde das Gebäude eingeweiht und einige Wochen später vom Kaiser Franz und der Kaiserin Karoline besucht.

1868 erfolgte die Gründung der ersten Druckerei und es erscheint die erste Ausgabe der Wochenzeitung „Berggeist“. Von 1872 ist diese Wochenzeitung ohne Unterbrechung bis ins Jahr 1940 unter den Namen „Orawitzaer Wochenblatt“ veröffentlicht worden.

1872 begann der Ausbau des „Schützengartens“ zu einem sozialen und sportlichen Mittelpunkt Orawitzas.

Am Rande der Stadt, umgeben von Tannenwäldern, wurde ein Luftkurort gebaut, der bis Wien und Budapest bekannt war. Bis 1918 gab es eine direkte Schlafwagenverbindung von Budapest nach Orawitz.



Persönlichkeiten


Joan Niuny – Architekt

Karl von Knoblauch (1797 - 1869) – Apotheker und Botaniker (Besitzer der Bergapotheke „Zum schwarzen Adler“ die erste Apotheke im Banater Bergland)

August Karl von Knoblauch (1832-1910) – Apotheker und Naturforscher

Maderspach Franz – Offizier

Dr. Franz Klima (1908 - ) - Arzt und Musiker

Dionisie Lintea (1880-1952) in Gradinari bei Orawitz geboren - Ornithologe

Dr. Georg Scheda – Arzt

Adolf Humborg (1874-1921) – Maler

Sim. Son. Moldowan – Schriftsteller und Historiker

Karl Seemayer (1898-1950) - Musiker

Jon Stoia-Udrea (1901-1977) in Greoni bei Orawitz geboren - Schriftsteller



Tourismus


Anfang der 90er Jahre des 19. Jahrhunderts, wurde in Orawitz ein Touristenklub gegründet der die Naturschönheit der Orawitzaer Umgebung weit über die Grenzen des Banats bekannt machte. Dadurch entwickelt sich der Fremdenverkehr in eine neue Richtung.

Beide Teiche bekommen Ende des 19. Jahrhundert zur ursprünglichen Bestimmung als Talsperre und Wasserspeicher eine neue Bedeutung. Sie wurden als Erholungsstätte und Freibad ausgebaut.

Fußwanderungen auf teilweise markierten Wegen kann man zu folgenden Sehenswürdigkeiten unternehmen: nach Ciclova Montana (Montan Tschiklowa) zur Maria-Fels Wallfahrtskirche, zum orthodoxen Kloster Calugara, zur Forellenzucht Poiana Iuliei, zum Kalkfelsen Piatra Rol, zum Fliederwald Valea Ciclovei oder zu den zahlreichen Tropfsteinhöhlen (z.B. die Höhle Adam Neamtu). Auch die Schluchten Cheile Nerei (bei Montan-Saska), Cheile Minisului (bei Steierdorf) und Cheile Carasului (bei Carasova) sind von Orawitz aus leicht zu erreichen.


Sehenswürdigkeiten

Das Theater Mihai Eminescu – das älteste Theater Rumäniens – in der Nähe der katholischen Kirche

Das Museum für Geschichte der Pharmazie – im Zentrum der Stadt in der alten Knoblauch-Apotheke

Die römisch-katholische Kirche (die älteste Kirche im Banater Bergland)

Der alter Bahnhof – der älteste Bahnhof Rumäniens

Die Bahnstrecke Orawitz-Anina (die „Banater Semmeringbahn“)

Das Kloster Calugara – in den Bergen bei Ciclova gelegen

Die Wallfahrtskirche Maria Fels – auf einem Fels oberhalb von Montan Tschiklowa gelegen


Anreise

Anbindungswege: Orawitz ist mit dem PKW über die E 94 und B 57 von Temeswar oder von Serbien über die Grenzübergänge Stamora Moravita (von Vrsac/Werschetz) oder Naidas (von Bela Crkva/Weißkirchen) erreichbar. Ca. 20 km in Richtung Osten erreicht man Steierdorf-Anina.

Von Temeswar und Reschitz gibt es täglich mehrere Zugverbindungen nach Orawitz und von dort weiter nach Anina und zur Grenzstation Jam.


Unterkunft

Hotel Caras, Tel. (+40) 744-590853, E-Mail: www.hotelcarasoravita@yahoo.com, auf der B 57B am Ortseingang von Temeswar kommend

Hotel 7 brazi, Tel. (+40) 788-554464, auf der B 57B am Ortsausgang in Richtung Anina-Bozovici

Restaurant Casablanca, Telefon: (+40) 255 – 572360, in Zentrum hinter dem Stadpark.



Bibliographie


Baumann J.: Geschichte der Banater Berglanddeutschen Volklsgruppe. Wien, 1989.

Griselini, F.: Versuch einer politischen und natürlichen Geschichte des Temeswarer Banats. Wien, 1780.

Maurus, H.: Stadt zwischen Berge und Wälder. Die Bergstadt Orawitz. (Manuskript) Moldowan, Sim.Son.: Geschichte der Bergstadt Orawitz. Orawitz, 1931.

Schmidt, H.D.; Bauer, E.; Marcu, N.; Fassbinder, K.: Familienbuch der Gemeinde Montan-Orawitz. Ulm, 2004.

Varadeanu, V.: Monumente bisericesti si culturale din zona Oravitei. 1981.




Eine Dokumentation zusammengestellt von Dr. Horst Schmidt

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